Spiritualität trifft auf Jazz

Zweites Konzert in der Klangkirche
Harburg (lh)

"Die Quadratur des Kreises" heißt die aktuelle CD von Misha Steinhauer. Die Sängerin versucht darin, zwei bestimmende Größen in ihrem Leben Jazz und den Glauben in Einklang zu bringen. So ein Versuch, so er denn auf hohem Niveau unternommen wird, prädestiniert natürlich für die Hamburger Klangkirche, und deshalb bestritt Misha Steinhauer das zweite Konzert dieser Reihe in der Harburger Dreifaltigkeitskirche. Sie gestaltete den Abend zusammen mit dem Pianisten Mathias Claus.

Gegenüber dem ersten Konzert, der ausverkauften Blues-Ladies-Night im April, war die Zuhörerzahl diesmal eher übersichtlich. Etwa 60 Menschen waren gekommen, um das zu erleben, was die anderen verpassten: das Zusammenspiel von Sommerabendlicht und Musik.

Misha Steinhauer stammt aus Deutschland, hat ihren Lebensmittelpunkt aber längst in Moskau. Dort hat sie studiert, dort doziert sie mittlerweile, und dort ist sie in der russischen Jazz-Szene wohlbekannt. Mathias Claus ist Braunschweiger mit schwäbischen Wurzeln und hat sein Jazz-Spiel bei langen Aufenthalten in den USA verfeinert. Die beiden kennen sich schon einige Zeit, spielen aber immer nur dann zusammen, wenn Misha Steinhauer eine Konzertreise nach Deutschland unternimmt. "Spiritualität und Jazz scheinen sich oft gegenseitig auszuschließen", sagte Claus zu Beginn des Konzerts, und doch gibt es einige Vorbilder, das Spätwerk des Duke Ellington, zum Beispiel oder Stücke von John Coltrane. In Keith Jarretts Instrumentalstücken finden sich oft Gospel-Harmonien.

So spielte Claus als Eingangsstück des Abends auch eine sehr an Jarrett angelehnte Eigenkomposition, bevor Misha Steinhauer zu ihm stieß, auf dass die beiden gemeinsam brillieren konnten, denn sowohl Gesang, als auch Spiel waren technisch von Weltniveau. Mathias Claus arbeitete sich regelrecht in den Flügel, oft hatte man den Eindruck, als wolle er in den Flügel hineinkriechen, um sich in dessen warmen Klang einzukuscheln, wie in eine Daunendecke. Misha Steinhauer modulierte mit viel Timbre und phrasierte auf den Punkt.

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